BRICK FANTASY

Fantasy-Geschichten in Lego

Die geheimnisvolle Insel Teil 3

Johns Gedanken wirbelten durcheinander. Er hatte schon viel gesehen aber so etwas noch nicht.
„Sag mir, was ist das oder was macht es?“
„Das ist der Tod!“, antworte der alte Mann. „Es krabbelt in dich hinein und dann verwandelt es dich in eine seelenlose Kreatur ohne Gehirn.“
Seelenlose Kreatur. Der Gedanke gefiel John. Der Schwarze Herzog als Opfer seiner selbst. Das dürfte dem Captain sicherlich auch gefallen.
„Erzähl weiter Alter. Ich höre dir zu.“
Kat war etwas vom Tisch abgerückt. Sie fürchtete, da könnte noch etwas auf dem Tisch sein.
Während der Seemann John seine Geschichte erzählte, wurde Kat von lauten Stimmen abgelenkt, die durch die Tür ins Innere der Spelunke drangen.
„Ausschwärmen!“, hörte sie den Befehl, „und schaut euch die Leute genau an!“
Eine Sekunde später wurde die Kneipentür aufgestoßen und drei Marinesoldaten betraten den Schankraum. Zwei Männer niederen Rangs und ein Offizier. Kat glitt geschmeidig von ihrem Stuhl und krabbelte unter den Tisch. Unheilvolle Stille trat ein.
„Wir suchen einen Deserteur, John DeMoor, kennt ihn jemand oder weiß wo er sich aufhält?“
Kat war einerseits erleichtert, weil sie befürchtete, die gesuchte Person zu sein, andererseits schlug ihr Herz bis zum Hals. Normalerweise verriet kein Pirat einen anderen, doch man konnte nie wissen, wenn das Kopfgeld hoch genug war, wurde so manche arme Schlucker schwach.
„Wer uns einen Hinweis zur Ergreifung des Fahnenflüchtigen gibt, kann mit einer Belohnung von 20 Golddublonen rechnen!“, verkündete der Offizier.
Ein Raunen ging durch die Kneipe.
Einige Männer riefen den Soldaten Beleidigungen zu. John schaute sich vorsichtig um. Ein paar der Männer kannten ihn. Zu ihnen hielt er Blickkontakt.
Der Offizier schaute sich die Männer an und hielt in einer Hand einen Steckbrief. Plötzlich zog er seine Pistole und zielte genau auf Johns Tisch. Einige Männer sprangen von den Tischen auf.
„Hey, komm unter dem Tisch hervor. Ich will dein Gesicht sehen!“
Kat blickte verstört zu John.
„Wird`s bald? Oder muss ich dich wie einen Köter einfach erschießen?“
Kat krabbelte unter dem Tisch hervor. Der Offizier und einer der Soldaten kamen auf sie zu. Der Offizier griff ihren Arm und musterte sie genau. Ihr Herz schlug wild.
„Milchbubis, die sich unter Tischen verstecken gehören nicht in solche Spelunken! Kennst du den Mann?“. Mit den Worten hielt er Kat den Steckbrief entgegen. Auf dem Blatt war ein Mann ohne Bart abgebildet.
„Nein!“, sagte sie.
Der Soldat taxierte John mit seinem Blick.
Kat zuckte mit den Schultern und schüttelte den Kopf.
„Nee, so feine Pinkel treiben sich nicht an Orten wie diesen herum.“
Der Offizier beugte sich zu ihr herunter und blickte ihr direkt ins Gesicht.
„Wie alt bist du, Bengel? Du hast ja nicht mal einen Bart.“
„Sechzehn“, erwiderte Kat trotzig, „besser auf einem Schiff arbeiten, als im Waisenhaus verhungern.“
„Du bist ziemlich frech“, der Offizier zerrte Kat hinter sich her, „wir nehmen den Bengel mit.“
John, der bis dahin abgewartet hatte, bewegte sich. Kat sah, dass seine Hand an den Knauf seines Degens griff. Sie warf ihm einen warnenden Blick zu.
„Halt“, ertönte eine krächzende Stimme, „der Junge gehört zu mir.“
Der alte Seemann sah den Offizier herausfordernd an.
„Zu dir, Halpin?! Dass ich nicht lache!“ Der Soldat ließ ein unangenehmes Gelächter hören. „Wann willst du den gezeugt haben?“
Der Alte ließ sich nicht provozieren.
„Der Sohn meiner Nichte“, log er seelenruhig, „sie hat ihn geschickt, um mich heil nach Hause zu bringen.“
Der Offizier wollte seinem Zweifel Ausdruck geben, aber als er dem Alten in die Augen blickte, vergaß er, was er hatte sagen wollen.
„Dann los Junge, bring den alten Halpin nach Hause.“
Halpin und John erhoben sich und gingen in Richtung Tür. Einer der Soldaten fixierte John immer noch. Er wurde das Gefühl nicht los, die Strecke bis zur Tür könnte sehr lang werden. Als sie die Tür erreichten ging der Soldat zum Offizier und schien ihm etwas mitzuteilen. Halpin öffnete die Tür und alle drei standen auf der dunklen Gasse.
„Hier entlang“, sagte John und deutete nach rechts.
Gerade als sie um die Hausecke bogen, hören sie ein „Halt! Stehen bleiben!“
„Los rennt“, rief John.

© Caroline Susemihl / T.R. aka Wortman

1. Juli 2020 - Posted by | Die Insel | , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

4 Kommentare »

  1. Weiter so. 🙂

    Wenn du so weiter machst, kann die Story von Fluch der Karibik einpacken.

    Kommentar von scfiweb | 1. Juli 2020 | Antworten

    • Schauen wir mal, was da noch so kommt…
      Fertig ist die Story ja noch nicht.

      Kommentar von Wortman | 1. Juli 2020 | Antworten

  2. https://scfiweb.wordpress.com/2020/07/01/der-gesang-der-vier-winde/

    Das ist der Beginn meiner Geschichte. 🙂

    Kommentar von scfiweb | 1. Juli 2020 | Antworten


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